Naturfotografische und ornithologische Studienreise in die Karstpoljen des Dinarischen Karstes

  • Von: 30.05.2020
  • Bis: 06.06.2020
  • Preis: 1.690,00 € p.P. im Doppelzimmer (ohne Flug)
  • Einzelzimmerzuschlag: 410,00 €

Diese Reise führt in ein für Naturfotografen weitgehend unbekanntes Gebiet auf der Landkarte Europas. Nach den Kriegswirren ist in Bosnien/Herzegowina Ruhe und Sicherheit eingekehrt und zahlreiche attraktive Vogelarten warten auf naturfotografische Pionierleistungen, die mithelfen sollen, das Gebiet für naturnahen und nachhaltigen Tourismus zu erschließen.

Tag 1

Anreise: Diese ist nicht im Reisepreis inbegriffen und kann entweder per Flug zum Flughafen von Sarajevo (Bosnien) oder der Hafenstadt Split (Kroatien) erfolgen. Natürlich kann man auch mit dem eigenen PKW anreisen und die Reise dann auch noch privat verlängern (vgl. Reiseführer „Adria-Ostküste“). Mit der Bahn bietet sich die Anreise bis Mostar oder Split an. Reiseteilnehmer werden bei ihrer Ankunft abgeholt und ins Hotel in Livno gebracht. Der Transfer vom Flughafen Split dauert ca. 1,5 -2 Std.; von Sarajevo ca. 3,5 – 4 Std.. Ein Taxi-Transfer  von Split kostet ca. € 125,-, aus Sarajevo ca. € 250,-. Öffentliche Verkehrsmittel sind recht preisgünstig und mit dem Bus kann man Livno sowohl aus Sarajevo, Split oder Zagreb anfahren.

Aus dem süddeutsch-österreichischen Raum ist möglicherweise eine Fahrtgemeinschaft organisierbar. Wir werden Sie darüber rechtzeitig informieren.

Wir bleiben für die ersten 7 Tage in der Kleinstadt Livno – Hauptstadt des Kantons – und wohnen im selben Hotel, um die Karstfelder des Cetina-Einzugsgebietes zu erkunden. Mit dem zentral gelegenen Livanjsko polje (410 km2) und einer Anzahl anderer Poljen, wie Duvanjsko (125 km2), Šui?ko (2,7 km2), Kupreško (81,8 km2), Glamo?ko (62,4 km2) und Dugo polje (19,1 km2) gehören alle genannten Karstfelder zum Einzugsgebiet der Cetina und werden in die Adria entwässert. Die terrassenartig angeordneten Karstfelder werden in der kalten Jahreszeit von periodisch gefüllten Karstseen bedeckt und sind untereinander durch unterirdische Wasserläufe verbunden. Während der Reisezeit genießen wir einen Frühlings- bis Frühsommeraspekt – die Wiesen gleichen einem Blumenmeer! Ein Abend-Vortrag führt uns in Natur und Kultur der Karstpoljen, insbesondere des Livanjsko polje ein.

Tag 2-4

„Livanjsko polje“ – das weltweit größte Karstfeld
Zu den Besonderheiten des Livanjsko Polje zählen die weitgehend unberührten Auwälder (21 km2), Hutweiden (92 km2) und die größten Feuchtwiesenkomplexe der Dinariden (111 km2). Trocken- und Feuchtwiesen nehmen mit Hutweiden sogar eine Gesamtfläche von 243 km2 ein. Livanjsko polje bietet auch da größten Torfgebiet (76 km2) des Balkans.

Schwarzstirnwürger und Wiedehopf (beide bis 50 Brutpaare) siedeln vor allem in den Kontaktzonen der Feucht- und Trockenwiesen und sind deshalb meistens in einem Gürtel zwischen den tiefer und höher gelegenen Gebieten – rund um das Polje – zu finden, dort wo auch die meisten Dörfer liegen. Bevorzugt nisten beide Arten in Obstbäumen, Hecken oder in Einzelbäumen. Auf Livanjsko polje brüten auch 25 Paare Wiesenweihen und 100-300 Wachtelkönige, die hier auch während des Tages ausgiebig zu hören sind! Weitere Brutvögel sind Kiebitz (sind vor allem Wiesenbrüter) und Rotschenkel. Kappen– und Goldammer kommen dort beide nebeneinander vor.

Im Norden des fast 70 km langen Polje liegen die meisten Sümpfe, die durch Einheimische immer mit „ždral“, also mit „Kranich“ bezeichnet werden. Die Große Rohrdommel kommt ebenfalls sporadisch vor und manchmal beobachtet man auch jagende Rohrweihen. Auch Sperbergrasmucke, Neuntöter und Schlangenadler sind im „Kranichsumpf“ zu Hause. Eine Nachtexkursion führt uns hoffentlich zu Wachtelkönigen, Tüpfel- und Kleinen Sumpfhuhn. Auch die Zwergohreule ist zu erwarten.

Im Süden des Livanjsko Poljes, welches inzwischen auch als Ramsar-Schutzgebiet gemeldet ist, lassen sich einzelne Seiden– und Silberreiher und andere Wasservögel beobachten.

Buško blato – früher ein natürlicher periodischer Karstsee, ist jetzt gestaut. Dort kann man an der Karstquelle Vrilo oder unter der alten Brücke in Prisoje im seichten Wasser Karstfische gut beobachten. Weidende Haustiere wie Schafe und Kühe halten für sie die Laichplätze offen. Auch viele Bodenbrüter haben einen Vorteil aus der Beweidung, z.B. die vielen Aschkopf-Schafstelzen. Wir besuchen auch das kleine Sumpfgebiet Jagma südlich von Livno, um die Rohrammer zu finden.

Tag 5

Duvanjsko und Dugo polje

Die unteren und mittleren Cetina Karstpoljen sind inzwischen durch Weidensperlinge kolonisiert worden. Wir sind aber gespannt, diese Art auch zwischen Duvanjsko (864 m) und Dugo polje (1206 m) zu finden. Auch Brachpieper können wir in Mittelgebirgslagen beobachten. Der endemische Adria-Fahlsegler Apus pallidus illyricus – eine kaum erforschte Vogelart – hat die Poljen unlängst besiedelt. Wenig Fotonachweise gibt es von ihm. Fast nichts ist über die Vogelwelt des Blidije Jezero, einem 3,5 km2 großen, seichten Karstsee auf 1185 m Seehöhe bekannt. Auch der kleine, künstliche Teich bei Madino Selo am Südostrand des Duvanjsko Polje ist kaum erforscht. Beide schauen wir uns genauer an, da man in den Sommermonaten offene Wasserflächen im Karst nicht oft antrifft. Nicht selten tummeln sich dort Großmöwen auf dem Wasser.

Aber das „Highlight“ des Tages sollte der Steinrötel sein, der am Rande des Dugo polje in einer beachtlichen Dichte vorkommt. Reine Fahrzeit am Tag etwa 2,5-3 Std. durch inspirierende Karstgebiete.

Tag 6

Beweideter Eschenwald und Karstquellen
Heute gibt Ihnen Borut eine Lehrstunde für Wildtier-Ökologie und der Geschichte des Waldes: inzwischen ist es 200 Jahre her, dass wir in Mitteleuropa den Nutztieren den Wald entzogen haben. Nicht dicht und dunkel, sondern offen und hell, mit blumenreichen Weiden, präsentiert sich der Jaseni Wald auf Livanjsko polje. Die Beweidung ermöglicht im Schutz der Dornensträucher, dass die Schößlinge der Eichen und Eschen zum Baum heran wachsen können. Würger, Wiedehopf, Grasmücken und Wespenbussard sind hier Brutvögel. Auf dem Rückweg begegnen wir im Franziskaner Museum und in der Galerie Gorica in Livno einem „Torfmenschen“ aus Kupreško polje, der uns in die von Menschen geprägte Geschichte der Karstpoljen begleitet. Am späten Nachmittag besuchen wir das Schwemmland Lipa oder den Buško blato, wo wir auf neue, verspätete Durchzügler oder brütende Wasservögel hoffen. Danach entscheiden wir, ob wir die imposante Livno-Karstwand mit vielen Wasserquellen erkunden, wo Wasseramsel, Felsenschwalbe und Zippammer vorkommen

Alternative zu Tag 6

Dinarischer Bergkamm mit Tušnica oder wilde Balkanbergpferde
Mit einer Exkursion auf dem Bergrücken von Tušnica in Höhen von ca. 1700 m, erhalten wir einen Überblick über die Karstlandschaft der Dinariden. Wir können hier mit Greifvögeln, Steinhühnern und Ammern rechnen. Wegstrecke mit Beobachten und Fotografieren ca. 3 Std.. Entscheidend für den Aufstieg wird aber das Wetter sein. Auch ein Besuch der Karstgegend von Kruge mit wildlebenden Balkanbergpferden ist möglich. Diese alte Nutztierrasse ist während der Wirren des letztes Krieges verwildert und ist mit einigen hundert Individuen inzwischen zum echten Landschaftspfleger geworden: die Pferde halten die Lebensräume für Orchideen und Sperbergrasmücke offen.

Tag 7

Glamocko polje – Perle der Karstfelder
Vielleicht sehen wir heute im feuchten Teil des Poljes balzende Bekassinen! Hier ist einer der südlichsten Brutgebiete der Art in Europa. Der obere Teil des Poljes ist trockener: ein geheimer Wunsch der Reise ist es einen Adlerbussard in einem der Karstfelder zu beobachten. Die blütenreichen Feuchtwiesen des Glamo?ko polje sind ein besonderes Kleinod der Karstlandschaft. Die Karstpoljen der Cetina wurden durch die Botanikerin Hilda Ritter-Studnicka erforscht. Sie hat eine ganze Reihe Reliktpflanzen beschrieben, besonders angepasste neue Pflanzengesellschaften und einen besonderen Ökotyp des Stieleichenwaldes im Livanjsko polje. Ein Abend-Vortrag von Borut führt Sie in Natur und Kultur der Karstpoljen ein, insbesondere des Livanjsko polje.

Tag 8

Rückfahrt zu den Flughäfen oder nach Hause
Nach dem Frühstück erkunden wir mit Kurzstopps nochmals die Karstlandschaft voll mit Dolinen (Einsturztrichtern), die an durchlöcherten Käse erinnert. Transfer zu den Flughäfen oder Fahrt nach Hause.

Dieses Tagesprogramm bietet den Rahmen der Reise. Auf Grund der kleinen Gruppe kann auf Gruppenwünsche, aktuelle Vogelbeobachtungen und Wetterbedingungen kurzfristig reagiert werden. Individuelle Verlängerungen der Reise können gerne organisiert werden!

Dieses Tagesprogramm bietet den Rahmen der Reise. Auf Grund der kleinen Gruppe kann auf Gruppenwünsche, aktuelle Vogelbeobachtungen und Wetterbedingungen kurzfristig reagiert werden.

Berge und weite ebene Flächen, Karstpoljen genannt, mit ihren Wiesen und Weiden prägen im Hinterland der Adria-Ostküste das Landschaftsbild. Wie Oasen in der Wüste sind die 140 Karstpoljen über ein 72.000 km2 großes dinarisches Karstgebiet, das fast ohne oberirdischen Wasserlauf ist, verteilt. Poljen nehmen eine Fläche von 3.100 km2 ein und sind meistens in der kalten Jahreszeit überschwemmt. Die großen Durchfluss-Poljen des Cetina Einzugsgebietes (4.000 km2), die wir kennen lernen, gelten als weltweit meist entwickeltes oberirdisches Karstgebiet. Wiesenweihen, Adlerbussard, Schreiadler, Braunkehlchen, Rotschenkel, Dohle, Wachtelkönig, Steinhuhn, Ortolan, Schwarzstirnwürger, Rohrdommel, Sumpfhühner und 6-8 Entenarten sind hier Brutvögel. Der farbenprächtige Steinrötel kommt stellenweise in großer Dichte vor und wird die Vogelfotografen sicher begeistern. Der Adriafahlsegler ist eine weitere Spezialität der Region.

Die Studienreise ist der Erkundung der Vogelwelt aber auch eine Reihe von Karstphänomen gewidmet. Für die Vogel- und Naturfotografie ist ausreichend Zeit eingeplant, zwei Tarnzelte für je 2 Fotografen und weiteres Tarnmaterial sind für Ansitze vorhanden.

Borut Stumberger – Naturwissenschaftler, Tierarzt und Vogelschützer – beschäftigt sich mit ornithologischen Fragestellungen auf dem Balkan und ist Autor mehrerer Publikationen über die Karst-Region (vgl. Ornis 2011/6: 38-41). Er hat in Bosnien-Herzegowina bereits mehrfach ornithologische Studienreisen geführt und ist, gemeinsam mit dem verstorbenen Biologen Martin Schneider-Jacoby, Autor des EuroNatur-Reiseführers: „Adria-Ostküste“ der auch das Karsthinterland und insbesondere das Reisegebiet behandelt.

Dr. Herbert Bödendorfer – Geologe und Gymnasiallehrer – ist seit langen Jahren Naturfotograf und Ornithologe und wird die Vogelfotografen bei ihren Ansitzen betreuen.

Das Besondere an dieser Reise ist die Führung durch zwei fachkundige Reiseleiter: Borut ist sach- und sprachkundiger Vogelkundler mit einem breiten Blick für die kulturelle Vielfalt der Balkanregion – ein Abendvortrag ist in der Reise enthalten. Herbert hat das „Know How“ Ihnen beim Fotografieren der interessanten Ornifauna zu helfen.

Reiseanmeldung

Reiseleitung: Borut Stumberger (deutschsprachig) & Dr. Herbert Bödendorfer

Leistungen:

  • 7 Nächte Halbpension (Frühstück und Abendessen) in Hotel B & M Livno
  • Mittagsverpflegung (Picknick, Lunchpaket oder Mittagessen)
  • Sicheres Trinkwasser
  • Alle Fahrten im Minibus und Eintritte wie im Programm erwähnt
  • Naturkundliche und kulturhistorische deutschsprachige Reiseleitung durch Borut Stumberger und Dr. Herbert Bödendorfer

Im Reisepreis nicht enthalten:

  • An- und Rückreise.
  • Trinkgelder für örtliche Führer (z.B. Museum) oder Hotelpersonal
  • persönliche Ausgaben
  • alkoholische Getränke

Bitte beachten Sie: Falls Sie den Flug über uns buchen: Der Flug (Economyklasse) unterliegt speziellen Reservierungs- und Ausstellungsbedingungen der Fluggesellschaft mit Sonderstorno von bis 100% ab Buchungsdatum. Die üblichen Reisebedingungen des Veranstalters gelten hier nicht. Bitte schließen Sie deshalb auf alle Fälle eine Reiserücktrittskosten-Versicherung ab.

Info Reiseversicherung:

Preisabweichungen auf Grund internationaler Währungsschwankungen und etwaiger unvorhergesehener Leistungsabweichungen unserer Partner ausdrücklich vorbehalten!

Allgemeine Bestimmungsliteratur

Svensson, L., K. Mullarney & D. Zetterström (2017): Der Kosmos Vogelführer – Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos – Naturführer.

Jonsson, L. (2010): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Kosmos.

Harris, A., L. Tucker & K. Vinicombe (1991): Vogelbestimmung für Fortgeschrittene. Kosmos. [Bzw. die neue englische Ausgabe von 2014: The Helm Guide to Bird Identification – An In-Depth Look at Confusion Species]

Reiseführer

Schneider-Jacoby, M. & B. Stumberger (2011): Adria-Ostküste: Vogel beobachten und Natur erleben in historischen Landschaften am Mittelmeer. Euronatur Service GmbH, Radolfzell. ISBN 978-3-00-033929-5

Trontelj P. (1998): Der Karst: Ober- und Unterirdische Lebensvielfalt. Naturerbe Verlag Jürgen Resch, Überlingen. pp 127. [obwohl nur fürs Slowenien gedacht kann man Inhalt sehr gut ans Bosnisch-Herzegowinische Karst Übertragen und bietet eine hervorragende Einführung ins Dinarisches Karst]

Spezialliteratur kann bei Interesse gerne angegeben werden!

Galerie